Klavierabend im Schumannhaus in Bonn (Oktober 2008)

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2008 - Schumannhaus (Bonner Rundschau)

"Von zart-lyrisch bis rasend-grotesk". Der ungarische Pianist Tibor Szász beeindruckte mit einem virtuosen Klavierabend im Schumannhaus
Von JÜRGEN BIELER, BONN.

Was sich Tibor Szász bei seinem Konzert im Schumannhaus
interpretatorisch vorgenommen hatte, würde bei so manchem Schönspieler ein leichtes Zucken bewirken. Denn mit Schumanns fis-Moll-Sonate-op. 11, den kompletten Paganini-Variationen von Brahms und zwei Stücken von Liszt, darunter die „Grande Sonate h-Moll"„ hatte sich der Professor aus Freiburg für dicke Brocken entschieden. Werke, die hoch entwickelte Technik und Muskelkraft erfordern. Und dazu noch ein hohes Maß an Gestaltungskraft verlangen, wenn man sie nicht
nur als virtuose Kabinettstücke vorführen will. Das aber lag Tibor Szász völlig fern, seine Interpretationen waren geprägt von profundem Wissen um die Strukturen der
Werke, gepaart mit pianistischer Brillanz und Sinn für Klangwirkungen. Robert
Schumanns Widmungs-Sonate an Clara Wieck erschien bei Szász fast in neuem Gewand. Denn er bezog sich in seiner Interpretation auf den später gestrichenen Hinweis auf die spanischen Anregungen im Werk. Bei ihm erklang, vor allem
nach der rhapsodischen Einleitung im 1. Satz und später im 3. und 4. Satz, Fandango statt „Polonäse". Mit bewundernswürdigem Überblick kontrastierte Szász
lautmalerisches Kastagnetten-Geklapper und Flamenco-Phrasierungen mit Schumanns romantisch-poetischen Stimmungslagen. Das war überraschend, klang aber schlüssig. Brahms-Paganini-Variationen, Heft I und II, entwickelte der Pianist aus Ungarn zu einem Lehrstück über Struktur und Kontrast auf kleinem Raum. Zupackend und mit virtuoser Geste führte Szász sowohl die technischpianistischen
als auch die musikalischen Eingebungen vor, die Brahms diesem Werk mitgegeben
hat. Und das waren, in der Demonstration von Szász, eine ganze Menge, mit einer Skala von zart-lyrisch bis rasend-grotesk.
Diese Interpretation brachte ihm schon vor der Pause die ersten Bravo-Rufe - und das zu Recht. Damit nicht genug, packte der ungarische Pianist noch mal einen virtuosen Brocken sondergleichen aus - Franz Liszt's „Grande Sonate h-Moll". Auch hier beeindruckte Szász einmal mehr mit seiner Fähigkeit, den pianistisch-emotionalen Zugriff mit strukturellem Überblick zu verbinden. Mit mächtigem Klang zeichnete er die Dramaturgie der Gefühle nach, verwandelte Liszt's seelische
Landschaften in Klangfelder.

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TIBOR SZASZ BONN KRITIK 2008.pdf23.59 KB